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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Alexander Theodor Ahrweiler

* 17.04.1786 in Düren
† 08.11.1868 in Neuss

Alexander Theodor Ahrweiler wurde am 17.04.1786 in Düren geboren und in der Kirche St. Anna getauft. Er entstammte einer angesehenen bürgerlichen Familie. Sein Vater war der Kaufmann Peter Joseph Ahrweiler, seine Mutter Anna Margaretha, geborene Starck. Eine Schwester führte nach dem Tod der Eltern das elterliche Spezereigeschäft fort, blieb unverheiratet und starb am 18.08.1838 in Düren.

Seine schulische Bildung erhielt Ahrweiler am Gymnasium am Altenteich in Düren, wo er auch sein Abitur ablegte. Anschließend vertiefte er seine Kenntnisse in Philosophie bei einem Rektor des Karmeliterordens und erlernte kaufmännische Buchführung.

Am 01.11.1805 trat er in Köln eine Stelle als Sekretär im Empfangsbüro des Zentral-Wohltätigkeitsamts an. Parallel studierte er bei dem Privatlehrer Jagdfeld römisches Recht. Durch ein Los zum Militärdienst verpflichtet, wurde er in die französische Armee eingezogen und diente in den militärischen Büros von Paris und Metz, wo er schließlich zum Quartier-maître trésorier (Quartier-Zahlmeister) avancierte.

Nach seiner Rückkehr begann er um das Jahr 1819 ein Studium an der Universität Bonn, die erst kurz zuvor gegründet worden war. Er belegte Rechtsgeschichte, römisches Recht, Kriminalrecht, preußisches Zivilrecht und Kirchenrecht.

Im Jahr 1822 wurde er Notar in Reifferscheid und Eupen, drei Jahre später ließ er sich in Neuss nieder. Dort wirkte er bis zu seinem Lebensende als Notar. Am 20.06.1825 verlieh ihm König Friedrich Wilhelm III. den Ehrentitel eines Justizrats in Anerkennung seiner Verdienste.

Ahrweiler blieb seiner Heimatstadt Düren eng verbunden. Mehrfach unterstützte er städtische Projekte durch Spenden, unter anderem für das Dürener Waisenhaus und die Errichtung einer Mariensäule auf dem Marktplatz, die 1857 feierlich eingeweiht wurde.

Seine größte Tat als Stifter geschah jedoch durch sein Testament von 1866. Darin vermachte er ein Vermögen von rund 230.000 Talern dem Stiftischen Gymnasium Düren, das dadurch auf eine solide finanzielle Grundlage gestellt wurde. Mit der Eröffnung des Testaments am 16. November 1868 wurde das Gymnasium in eine Stiftung überführt – eine Maßnahme, die seinen Bestand bis in die Gegenwart sicherte.

Darüber hinaus verfügte Ahrweiler die Errichtung einer Josefskapelle an der Nordseite der Pfarrkirche St. Anna in Düren. Diese sollte mit einer Auflage verbunden sein: Jeden Mittwochmorgen um sieben Uhr sollte dort eine stille Messe zu Ehren des heiligen Josef gelesen werden. Nach langwierigen juristischen Klärungen wurde die Kapelle 1879 tatsächlich errichtet.

Die Grundsteinlegung fand am 28.08.1879 statt. In der »Dürener Volkszeitung« war über diese Veranstaltung zu lesen:

Gestern Vormittag um ½ 11 Uhr fand bei zahlreicher Anwesenheit der Gemeindemitglieder, des Kirchenvorstandes, der Geistlichkeit, der Vertreter der Stadt und sonstigen Publikums die feierliche Grundsteinlegung zum Bau der St. Josephscapelle statt. Der Platz war festlich mit Guirlanden, Fahnen und kirchlichen Enblemen geschmückt. [...] Sodann wurde die versiegelte Flasche, welche Münzen von 1 Pfg. bis 5 Mark, sowie die letzte Nummer der sämmtlichen hier erscheinenden Zeitungen enthält, vermauert, wobei der Cäcilien-Verein ein kirchliches Lied vortrug. [...] Die Urkunde, welche vom Unternehmer des Baues, Herrn Baumeister Schmitz, recht geschmacksvoll ausgeführt ist, ist photographisch vervielfältigt worden und enthält folgende Inschrift:
Anno post Christum natum MDCCCLXXIX.
Leone XIII. Pontifice Maximo, Guilelmo I. Germanorum et Borussorum Rege. Sacellum hoc ad aedem S. Annae dicatam annexum et S. Josepho dicatum e pecuniis a Viro Illustrissimo Alexandro Theodoro Ahrweiler Gymnasio Marcodurano hereditate relictis condi coeptum et die XIX. mensis Augusti hic lapis fundamento insertus est.

Am 18.03.1881 konnte der Dechant Anton Vaßen die Josefskapelle weihen, die nach Plänen des Kölner Architekten Franz Schmitz entstand.

Alexander Theodor Ahrweiler starb am 08.11.1868 in Neuss. Seine Großzügigkeit und sein soziales Engagement machten ihn zu einer prägenden Gestalt der Dürener Stadtgeschichte.

In Anerkennung seiner Verdienste wurde 1881 der ehemalige Hühnermarkt in Düren in Ahrweilerplatz umbenannt. Das Stiftische Gymnasium gedenkt seines Wohltäters bis heute, und in Schriften sowie Festschriften der Schule wird sein Name regelmäßig hervorgehoben.

Ahrweiler steht exemplarisch für das bürgerliche Mäzenatentum des 19. Jahrhunderts. Seine Tätigkeit als Notar und Justizrat verlieh ihm Ansehen, doch sein nachhaltiges Vermächtnis liegt in seiner Unterstützung von Bildung und Religion in seiner Geburtsstadt. Mit seiner Stiftung verband er das Ideal der katholischen Frömmigkeit mit dem humanistischen Auftrag, Bildung zu fördern.

Normdaten

VIAF: 4172193501006491598

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