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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Johann Arnold von Clermont

* 24.05.1728 in Aachen
† 05.12.1795 in Vaals

Johann Arnold von Clermont wurde am 24.05.1728 in Aachen geboren. Er entstammte einer seit dem 16./17. Jahrhundert in Aachen und Burtscheid ansässigen protestantischen Patrizier- und Unternehmerfamilie, die im Tuch- und Nadelgewerbe zu Vermögen und Einfluss gelangte. Seine Eltern waren der Aachener Tuchfabrikant Esaias Clermont (1698–1751) und dessen Ehefrau Helene Margarethe von Huyssen (1705–1776), Tochter des Essener Bürgermeisters Arnold von Huyssen (1659–1734). Zu seinen Geschwistern zählten u. a. Theodor Christian Clermont (1730–1788), später Kammergerichtsrat in Berlin, und Helene Elisabeth („Betty“) Clermont, die den Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi heiratete; Schwager war außerdem der Essener Bürgermeister Heinrich Arnold Kopstadt.

Clermont erhielt seine Schulbildung an einer Lateinschule im Umfeld der Essener Verwandtschaft. Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung in Hamburg und Leipzig und bereiste in Familiengeschäften Russland, Polen und Österreich, um Aufträge für die väterliche Tuchfabrikation einzuwerben.

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1751 trat er als junger Handelsdirektor in das Aachener Familienunternehmen ein. Bereits am 29.08.1752 wurde die Familie – noch auf Betreiben des Vaters – von Kaiser Franz I. Stephan in den Reichsadelsstand erhoben.

Die restriktiven Aachener Zunftregeln (u. a. Verbot, Weber und Tuchscherer im selben Haus zu vereinen, Beschränkung der Webstühle) sowie die Lage der lutherischen Minderheit im streng katholischen Reichsstadt Aachen bewogen Clermont, sich in Vaals - damals zum Herzogtum Limburg -  niederzulassen.

1761 erwarb er den Landsitz Vaalsbroek mit der Vaalsbroeker Mühle und ließ die Anlage durch den Aachener Architekten Joseph Moretti grundlegend ausbauen und modernisieren; spätestens 1765 lief die Tuchschererei, Färberei und Presserei vollständig.

Zwischen 1761 und 1765 entstand im Ortszentrum, an der Gau, das Haus Clermont / Von-Clermont-Haus als Stammhaus – eine für die Zeit bemerkenswerte Kombination aus Fabrik, Wohnhaus und Kontor. Das Gebäude dient seit 1979 als Rathaus von Vaals. Zeitgenössisch wurden dort Wolle gewebt, gepresst und gefärbt, das notwendige Wasser erhielt man durch die Gau.

Zur Sicherung der Wasserkraft kanalisierte Clermont die Gau, ließ Wasserleitungen und Teiche anlegen und modernisierte die Mühle,  ein mittelschlächtiges Wasserrad.

Clermont profilierte sich in Vaals auch als Bauherr. Neben dem Ausbau von Vaalsbroek und dem Stammhaus vergab er weitere Bauaufträge, u. a. Patrizierhäuser für leitende Angestellte, das Haus Verves als Färberei in einem ehemaligen Mennoniten-Gotteshaus, an den befreundetem Aachener Architekten Moretti.

Als Höhepunkt seiner Repräsentationsbauten gilt Schloss Blumenthal (heute: Kasteel Bloemendal), dessen Grundstein er 1791 gegenüber seiner Weberei legte. 1795 zog er in den halbfertigen Bau, doch die Fertigstellung erlebte er nicht mehr. Zur Markierung des Familienbesitzes ließ der Unternehmer 1790 den Vaalser Obelisken errichten, der sich heute im Von-Clermont-Park befindet.

Bereits 1788 stiftete er auf dem Gut Vaalsbroek ein Familien-Mausoleum, das ebenfalls nach Plänen des Architekten Joseph Moretti geschaffen wurde..

Das Unternehmen der Familie lieferte Uniformtuche für mehrere europäische Armeen (Preußen, Russland, später auch für die napoleonische Garde). Die Aachener Fabrik firmierte nach dem Tod der Mutter im Jahre 1776 zusammen mit den Anlagen in Vaals unter dem Namen Esaias Clermont sel. & Sohn. Ab 1786 nahm er seine Söhne und Vettern in die Leitung mit auf um dem Weiterbestand der Firma zu sichern. 1793  übernahm einer seiner Söhne die stellvertretende Geschäftsführung und die Gesellschaft firmierte nun unterm Namen Esaias Clermont sel. Erben & Co.

Der Weltreisende und spätere Mainzer Jakobiner Georg Forster berichtete in seinem Reisebericht »Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Junius 1790« über die Aachener/Vaalser Industrie- und bürgerlichen Kultur. Hier würdigte der Beobachter Clermonts Schaffenskraft:  

Die Anlagen des Herrn von Clermont zeichnen sich hier besonders wegen ihres Umfangs und ihrer Zweckmäßigkeit aus, und seine Fabrik beschäftigt in Vaals, Aachen und Burtscheid gegen hundertundsechzig Weber. Dreißig Jahre sind hinreichend gewesen, die Volksmenge und den Wohlstand eines unbedeutenden Dörfchens so unbeschreiblich zu vergrößern, daß jene fünf Gemeinden sich daselbst organisiren konnten. Wohin man sieht, erblickt man jetzt große Fabrikgebäude. Außer den ebenerwähnten, die dem Wahlspruche Spero invidiam (Ich hoffe beneidet zu werden) über der Thüre des Wohnhauses ganz entsprechen und zu erkennen geben, was der Fleiß vereinigt mit Wissenschaft, Beurtheilungsgabe, Erfahrung und Rechtschaffenheit billig erwarten darf, gibt es hier noch andere Tuchmanufacturen, eine Nähnadelfabrik u. s. w. Die hiesigen Tücher gehen mehrentheils nach der Levante; sie müssen zu dieser Absicht weiße Leisten haben und sehr leicht, von feinem, lockerm Gewebe sein. Wir sahen hier Tücher, die einem Grosdetours nicht unähnlich waren, von einer bewundernswürdigen Präcision des Gewebes. Die breitesten halten sechzehn Viertelellen und haben in dieser Breite 8400 Fäden. So fein ist das Gespinst, so gleichförmig das Gewebe, so schön die Farbe, so vorsichtig die Bereitung dieser Tücher, daß man bei den soliden Grundsätzen, nach welchen hier verfahren wird, dieser Fabrik einen langen Flor voraus verkündigen kann.

Mit der französischen Besetzung ab 1794)passte Clermont die Geschäfte den neuen Verhältnissen an und übernahm Großaufträge für die Ausstattung der französischen Armee.

Vor Ort bekleidete Clermont das Amt des Vize-Schultheißen (vice-schout) der Bank Holset–Vaals–Vijlen und übernahm während der Übergangszeit zur französischen Verwaltung eine herausgehobene Rolle (Finanzverwaltung/Aachen als Hauptort des „Pays entre Meuse et Rhin“ bzw. späteren Département de la Roer).  

Am 08.10.1754 heiratete Johann Arnold von Clermont die aus Essen stammende Maria Sophia Elisabeth Emminghaus († 13.05.1783). Das Paar hatte 16 Kinder. Von denen u.a. hervorzuheben sind:

– Carl Theodor Arnold von Clermont (* 08.08.1756), später u. a. Präsident der Landesdeputation des Département de la Roer und Verwalter des Kantons Wittem; er verlegte 1806 seinen Wohnsitz nach Verviers.

– Johann Adolf von Clermont (⚭ 1790; † 1826; kinderlos).

– Johann Heinrich Leopold von Clermont (* 1781), Richter (juge de paix) bis 1816.

Johann Arnold von Clermont starb am 05.12.1795 in Vaals und wurde in dem von ihm 1788 errichteten Familien-Mausoleum bei Schloss Vaalsbroek neben seiner Frau beigesetzt.

Nach seinem Tod übernahmen drei Söhne die wesentlichen Immobilien und Fabrikationsanlagen.

Zwar konnten seine Erben das Unternehmen durch die schwierigen wirtschaftlichen Kriegsjahre sowie der Kontinentalsperre führen, doch endete bereits 1826 die Geschichte des Unternehmens. Es gelang nicht, dass sich die Unternehmung von den Auswirkungen dieser schweren Zeiten erholte.

Noch heute erinnern in Vaals viele Gebäude an Johann Arnold Clermont. Zu nennen sind hier u.a. das Clermont-Haus, das seit den 1980er Jahren der Gemeinde als Rathaus dient. Auch gehen das Kasteel Vaalsbroek und das Kasteel Bloemendal / Schloss Blumenthal auf seine Bautätigkeit zurück. Es gibt in Vaals ebenfalls noch den Von-Clermont-Park mit dem Obelisken von 2790 und die Straße Von-Clermont-Plein.

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