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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

José Celestino Mutis y Bosio

* 06.04.1732 in Cadiz
† 11.09.1808 in Bogota/Kolumbien

José Celestino Mutis y Bosio wurde am 06.04.1732 in Cádiz geboren.

Er studierte zunächst in Cádiz Medizin und Chirurgie am Colegio de Cirugia. Er belegte auch Kurse in Physik und der Botanik. Am 02.05.1755 legte er sein medizinisches Examen an der Universität Sevilla ab und am 05.07.1757 promovierte er zum Doktor der Medizin.

Er hielt ab 1757 Vorlesungen über Anatomie in Madrid. Bereits in jener Zeit interessierte er sich vermehrt für Botanik und führte mit Unterstützung des Botanischen Gartens der Migas Calientes de Madrid erste pflanzenkundliche Studien durch. Sein Interesse erstreckte sich auch auf die Mathematik und Astronomie.

Im Jahr 1760 schloss er sich der Amerika-Expedition von Pedro Messia de la Cerda anzuschließen. Die Expedition, die er als Oberarzt begleitete, erreichte im Februar 1761 Santa Fe de Bogota. Cerda, der bereits im März 1760 zum Vizekönig von Neugranada berufen wurde, ging nach Cartagena, wo beide im Oktober 1761 eintrafen.

Seit Beginn seiner Ankunft in Kolumbien führte der Mediziner ein Forschungstagebuch, in dem er seine Beobachtungen zur Fauna und Flora Südamerikas festhielt. Die Aufzeichnungen umfassten schließlich einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. In dieser Zeit nahm er auch an drei größeren botanischen Expeditionen teil.

Bereits im Jahre 1762, als er seine Einführungsvorlesungen in Mathematik am Colegio de Rosario hielt, erklärte er das Weltbild des Kopernikus sowie moderne experimentelle Methoden in den Wissenschaften. Hierbei geriet der Naturwissenschaftler, wie zu erwarten war, mit der katholischen Kirche in Konflikt. Im Jahre 1774 war er genötigt seine »modernen« Thesen des Kopernikanischen Weltsystems sowie die mathematische Naturphilosophie vor der Inquisition zu verteidigen.

Durch seine unermüdliche und vielseitige Tätigkeit wurde er immer mehr zur Anlaufstelle von Forschern im spanisch geprägten Südamerika. Zunächst unterrichtete er Mathematik, ehe er sich am Ende seines Lebens mit Astronomie beschäftigte. So gründete er in Bogota eine Sternwarte und leitete diese auch als Astronom. Doch wie schon in Madrid blieb seine eigentliche Leidenschaft die Botanik und die naturgeschichtliche Erforschung seiner neuen Heimat. So plante er in den ersten Jahren, die er in Südamerika verbrachte, die Erkundung der gesamten Provinz mit dem Ziel seine Forschungen in einem Buch über die Flora Neu-Granadas zu verfassen.

Im Jahre 1771 erfolgte seine Berufung zum Kanoniker an die Kathedrale von Bogota.

Auch um das Gesundheitswesen in der spanischen Kolonie Neugranada erwarb er sich Verdienste. So setzte er während der Pockenepidemie des Jahres 1782 in Santa Fe de Bogota zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens um. So warb er für eine erste Impfkampagne bei der Bevölkerung, indem er sich selbst durch einen kleinen Schnitt in der Haut eine eitrige Probe eines an den Pocken erkrankten Patienten injizierte. Er impfte auf diese Weise auch einige seiner Schüler und 36 kranke Kinder des Waisenhauses San Juan de Dios. Nachdem nach einigen Tagen weder er noch seine Schüler erkrankt waren und auch bei den Kindern im Waisenhaus erste Anzeichen einer Besserung zeigten, ließen sich rund 1.000 Menschen impfen. Es starben jedoch rund 3.000 Einwohner der zuvor etwa 15.000 Menschen zählenden Hauptstadt. Sie überlebten die Epidemie. Auch der spanische Vizegouverneur Góngora ordnete an, dass bei zukünftigen Epidemien eine systematische Impfung vorgenommen werden sollte.  Als 1804 eine erneute Pockenepidemie ausbrach lag die Sterblichkeit in der Bevölkerung der Region bei unterdurchschnittlichen 300 Toten.

Auch in der Ausbildung der Mediziner der spanischen Kolonie führte er Veränderungen ein. 

Für seine Forschungen baute er Umspannwerke in Cácota und La Montuosa auf. Im Jahre 1783 wurde er zum Leiter der »Expedición botánica del Nueva Reino de Granad« durch den spanischen König Karl III. und dem Vizekönig und Erzbischof Góngora ernannt. Rückblickend betrachtet entstammten aus dieser Expedition kaum wissenschaftlichen Publikationen, doch für das Verständnis der Kultur Kolumbiens war sie bedeutend. Die Illustrationen von Pflanzen waren von hervorragender Qualität, da man eine Zeichenschule gegründet und Salvador Rizo und Francisco Javier Matis fertigten Tafeln an. Letzterer wurde von Humboldt später als der beste botanische Illustrator bezeichnet.

Der Forschungsreisende Alexander von Humboldt berichtete später, dass Mutis eine Chinaplantage betrieb. So sei dieser verpflichtet worden, sein gesamtes Personal von Sammlern und Malern auszubilden. Darüber hinaus unterrichtete er auch einige einheimische Botaniker, wie beispielsweise Zea, Caldas oder Restrepo. Er war auch der Lehrer seines Neffen Sinforoso Mutis Consuegra, der später seinem Onkel im Amt nachfolgte.

Mutis war in jener Zeit weltweit bekannt und unterhielt ein entsprechendes Netzwerk. So erhielt Linné von ihm südamerikanische Pflanzen. Dessen gleichnamiger Sohn Carl von Linné definierte die Pflanzengattung Mutisia. Der spanische Botaniker Cavanilles bezeichnete ihn im Jahre 1791 als »botanicorum facile princeps«. Auch die Forschungsreisenden Humboldt und Bonpland hielten sich 1801 für zwei Monate bei ihm in Bogota auf. Sie waren voller Bewunderung für seine Sammlungen. Die besondere Verehrung Humboldts für Mutis zeigt sich schon darin, dass er im Jahre 1818 in seinem Werke »Plantes equinoctiales« ein Portrait veröffentlichte und später auch seine Biographie verfasste.

Andere hielten Mutis eher für einen Amateur, der jedoch seit dem Jahre 1784 als ausländisches Mitglied der Schwedischen Akademie Wissenschaften angehörte, als einen Wissenschaftler, was sicherlich auch den unruhigen politischen Umständen seiner Zeit geschuldet sein dürfte. So gelang es ihm nicht, seine Forschungen abzuschließen und auch publizistisch erschien zu seinen Lebzeiten sehr wenig.

So machte der Biologe die die Chinarinde oder auch Cinchonas bekannt. So widmete er sich der Erfassung der geographischen Verteilung im spanischen Vizekönigreich Neu-Granada oder auch die Beschreibung ihrer Arten und Sorten. Mutis Beschreibungen kurbelten auch den Handel der Pflanze an. So wuchs zwischen 1776 und dem Jahre 1806 der Export der Chinarinde von 0 auf 1.200.000 Tonnen. In den Jahren 1793/94 veröffentlichte er seine Schriften »Diaro de Santa Fe de Bogotá« - eine Monographie zur Chinarinde in Neu-Granada. Im folgenden Jahr veröffentlichte er seine Arbeit »Observaciones y conocimientos de la quina« in den Nummern 608-11 der Zeitschrift »Mercurio Peruanode Lima«. Sein Hauptwerk »El arcano de la quina« schickte als Handschrift in die spanische Hauptstadt Madrid. Auf Grund der unruhigen politischen Situation auf der iberischen Halbinsel verhinderte zunächst die Veröffentlichung. Erst im Jahre 1828 veröffentlichte der Arzt Hernández de Gregorio die ersten drei Teile des Werkes. Der restliche Teil des Manuskripts wurde erst im Jahre 1867 veröffentlicht.

Er selbst hatte in seiner umfangreichen Sammlung etwa 24.000 getrocknete Pflanzen, 5.000 Zeichnungen seiner Schüler von Pflanzen sowie eine Sammlung von Hölzern, Muscheln, Harzen Mineralien Schalen. Diese Sammlungen wurden in 105 Kisten an die Botanischen Gärten in Madrid gesandt. Dort gerieten sie zunächst in Vergessenheit.

Im Alter von 76 Jahren starb José Celestino Mutis y Bosio am 11.09.1808 in Bogotá an den Folgen einer Lungenentzündung. Sein Grab befindet sich in der kapelle Kapelle La Bordadita in der Universität Rosario.

An den Botaniker und Universalgelehrten erinnerte die zwischen 1983 und 1992 ausgegebene 200-Peso-Banknote in Kolumbien sowie die spanische 2000-Peseta-Banknote der Serie »Spanien in Amerika«. In Kolumbien sind die Flughäfen in  Bahía Solano, Departement Chocó und San Sebastián de Mariquita im Departement Tolima nach ihm benannt. Auch Straßen, Bildungseinrichtungen und auch einige Parks in Kolumbien und Spanien erinnern an Mutis.

Werke:

  • El Arcano de la Quina, 1793

Taxa:

  • Acalypha ( Linostachys ) mutisii , eineWolfsmilchart aus Kolumbien.
  • Aegiphila mutisi , eine Art der Verbenaceae.
  • Aetanthus mutisii , eine Strauchart aus der Familie der Loranthaceae.
  • Duranta mutisii , der Kreuzdorn, gehört ebenfalls zur Familie der Verbenaceae.
  • Mutisia , eine Pflanzengattung , die von Linnaeus' Sohn zu seinen Ehren eingeführt wurde und die Bedeutung erweiterte, die ihr von Mutis' Schülern gegeben worden war.
  • Pheidole mutisi , eine Ameisenart.

Normdaten

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