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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Luise zu Stolberg-Wernigerode

* 24.11.1771 auf Schloss Wernigerode
† 08.04.1856 in Groß-Krauschen

Luise Gräfin zu Stolberg-Wernigerode wurde am 24.11.1771 auf Schloss Wernigerode geboren. Sie entstammte dem alten Harzer Grafengeschlecht derer zu Stolberg-Wernigerode. Ihr Vater war der regierende Graf Christian Friedrich zu Stolberg Wernigerode (1746–1824) und ihre Mutter Auguste Eleonore zu Stolberg-Stolberg (1748–1821). Zu ihren jüngeren Geschwistern gehörten unter anderem Erbprinz Heinrich XII zu Stolberg Wernigerode (1772-1854) sowie die Schwester Friederike, später Gräfin Dohna.

Luise zu Stolberg-Wernigerode erhielt – wie es für Töchter des adligen Standes üblich war – eine gehobene Erziehung in geistiger und musikalischer Hinsicht. In ihrem Elternhaus wurden Bildung und musische Betätigung gefördert. Die Erziehung orientierte sich an den Grundsätzen des Philosophen Christian Fürchtegott Gellert und der Schriftstellerin Jeanne Marie Leprince de Beaumont.

Schon in jungen Jahren begleitete sie ihren Vater nach Halberstadt, wo sie Kontakte zu Gelehrten knüpfte – etwa zu Johann Wilhelm Ludwig Gleim und weiteren Bibliothekaren knüpfte. Da ihr Vater als Domherr jeweils mehrere Wochen im Frühjahr und Herbst in der Stadt weilte, konnte sie ab 1786 enge Beziehungen zu den Nichten des Dichters knüpfen, die auch zeitlebens bestanden.

Sie setzte sich schon früh mit den Werken der deutschen Dichter auseinander. So war den Werken Klopstocks zugeneigt. Auch im Hause ihres Vaters traf sie mit verschiedenen Schriftstellern zusammen, wie etwa Johann Heinrich Jung-Stilling, Johann Caspar Lavater, Johann Gottfried Herder oder auch Johann Michael Sailer aber auch den Pädagogen Johann Ludwig Ewald kennenzulernen. Sie konnte auch mehrere Reisen nach Süddeutschland unternehmen und führte, wie es in ihrer Familie üblich war, Tagebuch.

1797 wurde Luise zu Stolberg-Wernigerode von ihrem Vater zur Äbtissin des Jungfrauenklosters Kloster Drübeck bestellt und nahm dieses Amt bis zum Jahre 1800 wahr. In diesem Jahr trat ihr Vetter Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg mit seiner zweiten Frau Sophie und den Kindern in Münster – vermutlich durch den Einfluss des Generalvikars Franz von Fürstenberg und Amalie von Gallitzin zum katholischen Glauben über. Dies sorgte in protestantischen Kreisen Deutschlands für großes Aufsehen.  Nachdem die Nichte Marie Agnes und ihr Gatte Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode nicht zum Katholizismus übertrat, betreute die ehemalige Äbtissin sie.

Am 21.12.1807 heiratete sie auf Schloss Wernigerode Moritz Haubold von Schönberg. In der Folge übersiedelte sie mit ihrem Mann – zunächst 1809 nach Dresden, später nach Berlin und schließlich 1838 dauerhaft nach Groß-Krauschen, das heute in Polen liegt.

Sie erhielt in der sächsischen Haupt- und Residenzstadt Zugang zu den Häusern des Juristen und Schiller-Freundes Christian Gottlieb Körner sowie zu Helene Marie von Kügelgen, die die Gattin des Malers Gerhard von Kügelgen war. Auch ihre Schwester Friederike zu Dohna auf Hermsdorf und Juliane von Krüdener verband sie eine Freundschaft.

In Dresden engagierte sie sich sozial und richtete während der Befreiungskriege 1813 in ihrem Haus ein Lazarett ein, Im folgenden Jahr gründete sie eine Suppenküche und Häuser für Kriegswaisen in Pirma, Grünberg bei Hermsdorf – welches ihre Schwester leitete – und in Dresden, dem sie selbst vorstand. Auch gehörte sie zu den Gründern des ersten (christlichen) Frauenvereins, der jüdische Frauenverein bestand bereits seit dem Jahre 1790. In »Ein Lebensbild in Briefen, Helene Marie von Kügelgen geborene Zoege von Manteuffel« finden sich über die Armenspeisung folgende Zeilen:

Ich lege dir ein gedrucktes Blatt bei, eine Rechnung über die Armenspeisung im vorigen  Winter durch den Frauenverein. Diese Speisung dauerte bis Ostern, und Du wirst staunen, mit wie Wenigem dieses ausgeführt worden ist. Doch das war auch nur möglich, indem die reichen Frauen selbst in den Küchen standen und austeilten. In Altstadt war eine Küche und in Neustadt auch eine, und in jeder Küche waren sieben Frauen tätig, die sich täglich abwechselten. Die Präsidentin von Schönberg war die Seele aller Anstalten, und denke dir, diese Frau ist uns nun auch genommen durch die Trennung….

Im Jahre 1815 folgte sie ihrem Mann nach Merseburg, wo er erster Regierungspräsident wurde. Sie übernahm die Erziehung ihrer Tochter Anna (1808-1880) sowie dem Verfassen von Briefen. 1821/22 besuchte sie ihre Eltern im schlesischen Peterswaldau, wo sie auch beim Tod ihre Mutter 1821 anwesend war.

Seit dem Jahre 1823 lebte die Familie in Berlin, wo sie schnell zum Mittelpunkt eines geistig-kulturellen Kreise wurde. Auch in der preußischen Residenzstadt kümmerte sie sich um die Armen der Stadt. Als ihr Mann im Jahre 1831 zum Oberpräsidenten von Stettin bestimmt wurde, folgte der nächste Umzug der Familie. Im Jahre 1835 trat ihr Gatte von allen Ämtern zurück und verbrachte mit seiner Frau viel Zeit auf dem neu erworbenen Gut Groß-Krauschen, das seit 1838 ihr Wohnsitz war. 

Luise starb am 08.04.1856 in Groß-Krauschen.

Luise zu Stolberg-Wernigerode ist vor allem als Vertreterin des hohen Adels im Übergang vom alten Reich zur preußischen Ordnung und als sozial engagierte Frau im 19. Jahrhundert hervorzuheben. Ihre Tätigkeit als Äbtissin und ihr späteres soziales Engagement zeigen die Rolle, die Adelige jenseits rein dynastischer Politik einnahmen.

Werke:

  • Tagebücher
  • Briefe
  • Sammlung von Lebensbeschreibungen frommer Frauen aus allen Zeiten für eine fürstliche Braut 1843.
  • Lebensbeschreibungen ihrer Geschwister unter anderem zu Graf Constantin 1848.
  • Das Leben der Gräfin Maria v. Bückeburg 1851
  • Lebensskizzen ihrer Geschwister 1852.
  • Christian Friedrich, Graf zu Stolberg-Wernigerode, und Auguste Eleonore, Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, geb. Gräfin zu Stolberg-Stolberg. Flemming, Glogau 1858 (ein zwischen 1821 und 1831 nach Briefen und Tagebüchern ausgearbeitete Schrift, die nach ihrem Tode als Handschrift gedruckt wurde).

Normdaten

VIAF: 59846590

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