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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Christian Friedrich Voß

* 11.10.1724 in Lübben
† 24.04.1795 in Berlin

Christian Friedrich Voß wurde am 11.10.1724 in Lübben (Spreewald) geboren. Er war der Sohn des Lübbener Buch- und Verlagsbuchhändlers Johann Georg Voß, der bereits 1732 verstarb. Über seine Mutter und mögliche Geschwister liegen bisher keine gesicherten Angaben vor.

Nach dem Besuch der Stadtschule in Lübben begann Voß um das Jahr 1740 eine Lehre beim Berliner Buchhändler und Zeitungsverleger Johann Andreas Rüdiger in Berlin.

Die Lehrjahre bei Rüdiger prägten den jungen Voß entscheidend, da er hier mit den aufklärerischen Kreisen der Berliner Gesellschaft in Berührung kam. So erlebte er die Debatten der gelehrten Kreise in der preußischen Hauptstadt ebenso wie das gerade entstehende preußische Pressewesen.

Bereits 1746 gründete Voß eine Verlags- und Buchhandlung in Potsdam. Im Jahr 1748 eröffnete er zusätzlich eine Filiale an der Königstraße 9 – heute Rathausstraße - in Berlin. Das königliche Privileg vom 02.10.1748 bewilligte Friedrich II., gegen den Einwand der Berliner Buchhändler, »da Niemand in dieser Sache ein gegründetes Widerspruchsrecht zustehe«, jedoch mit der Verpflichtung, »das Geschäft in Potsdam beizubehalten und solches allenfalls durch einen tüchtigen Handelsdiener respiciren zu lassen«. Das Geschäft in Potsdam wurde 1784 geschlossen.

1751 erhielt Voß das königliche Privileg zur Herausgabe der »Berlinischen privilegirten Zeitung« von seinem Schwiegervater Rüdiger übertragen. Diese Zeitung wurde seitdem inoffiziell als »Vossische Zeitung« bezeichnet. Im gleichen Jahr erbte er auch das Geschäft seines Schwagers Johann Adam Rüdiger.

In den folgenden Jahren verlegte Voß den Mittelpunkt seines Wirkens immer mehr nach Berlin. Er erwarb 1767 das Haus Breite Straße Nr. 9 (Ecke Neumannsgasse) als Verlags- und Geschäftssitz.

Er verlegte als Verleger zahlreiche Werke bedeutender Aufklärer wie Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder und Jean Paul sowie Schriften des preußischen Königs Friedrich II..

Er war Mitglied der Freimaurerloge »Zur Eintracht« in Berlin, wodurch ihm ein erleichterter Zugang zu den gelehrten Netzwerken und intellektuellen Kreisen der preußischen Hauptstadt ermöglicht wurde.

Unter Voß’ Leitung entwickelte sich der Verlag zu einem zentralen Medium der Berliner Aufklärung: Die »Vossische Zeitung« wurde ein bedeutendes Publikationsorgan im Berliner Raum.  Sein Verlag trug maßgeblich zur Verbreitung aufklärerischer Literatur bei – durch Druck- und Verlagsaktivitäten, durch Zeitungen und Zeitschriftenprogramme.

Eine umfassende Bibliografie der Verlagsproduktion von Voß und seines Sohnes von 1746-1795 umfasst rund 800 Titel. Als Verleger nahm er sich auch jungen Autoren an, deren Werke wesentlich zur Formung eines modernen öffentlichen Diskurses beitrugen.

Zusammen mit Georg Jakob Decker erwarb Voß 1787 die nachgelassenen literarischen Handschriften des verstorbenen preußischen Königs und veröffentlichten diese ab dem folgenden Jahr.

1779 trat sein ältester Sohn Christian Friedrich Voß d.J. (1755–1795) in das Geschäft ein. Im Jahre 1787 ging die Geschäftsführung an den Sohn über und 1791 wurde dieser alleinige Inhaber, was mit einer Genehmigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. am 19.01.1791 bestätigt wurde.

Er heiratete im Jahre 1748 in Berlin Dorothea Henriette Rüdiger, der Tochter seines Lehrherrn Johann Andreas Rüdiger. Aus dieser Ehe stammte die Tochter Marie Friederike Voß, die später mit dem Münzdirektor Karl Gotthelf Lessing verheiratet war, sowie sein Sohn Christian Friedrich Voß d.J., der seine Nachfolge antrat. Ein weiterer Sohn war der 1759 geborene Ernst Ludwig, der später eine militärische Karriere einschlug sowie die Tochter Carolina Louysa Henriette, die mit den Buchdruckereibesitzer Flörke verheiratet war.

Christian Friedrich Voß starb im Alter von 70 Jahren am 24. April 1795 in Berlin, ohne vom Tod seines ältesten Sohnes Christian Friedrich Voß d.J. Kenntnis gehabt zu haben, der zwei Tage zuvor überraschend verstarb.

Durch den Tod beider Erben kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung über den Wert des Erbes und die Verlagsnachfolge. Christian Friedrich Voß d.J. setzte seine Ehefrau Anna Rosina als Gesamterbin ein und räumte dem Vater einen Pflichtteil ein. Obwohl der preußische König Friedrich Wilhelm II. dieser Nachlassregelung am 06.05.1795 genehmigte, bestanden die Erben des Vaters auf den Verkauf des Erbes, um den Wert des väterlichen Pflichtanteils zu ermitteln. 

Zunächst übernahm Johann Daniel Sander die Geschäftsführung des Verlages. Das Erbe am Zeitungsprivileg ging mit Zuschlagsbescheid vom 18.12.1801 an ein Bieterkonsortion um seine Tochter Marie Friederike Lessing für einen Betrag von 59.000 Thalern. Die Kaufgelder Belegung erfolgte am 01.06.1802 mit Unterstützung des Künstlers und Professors für bildende Künste Johann Friedrich Unger, der einen Teil der Summe beisteuerte. Friedrich Wilhelm III. bestätigte mit A.K.O vom 25.08.1802 den Übergang des Privilegs an Lessing und Unger.

Die »Vossische Zeitung« blieb bis 1911 im mehrheitlichen Besitz der Familie und 1913/14 übernahm der Ullstein Verlag den Zeitungsverlag. Bis zum Verbot durch die nationalsozialistische Diktatur im Jahre 1934 galt die »Vossische« als ein preußisch-deutsches Qualitätsmedium.

Den Verlag übernahm im Jahre 1803 Carl Friedrich Schramm, der Sohn von Christian Friedrich Voß d.J. und der Anna Rosina Schramm, zusammen mit Wewetzer. Sie führten weiterhin die Firmierung »Vossische Buchhandlung«, was durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. unter dem 05.08.1804 bestätigte. Noch im gleichen Jahr verließ Wewetzer das Unternehmen.

Die Bedeutung seines Lebenswerks zeigt sich bis heute in der Presse- und Verlagsgeschichte: Die »Vossische Zeitung«, deren Name bis zum Verbot bestand, gilt heute noch als älteste Berliner Zeitungslinie und markiert einen frühen Höhepunkt der deutschen Zeitungs- und Verlagslandschaft.