Unter dem Titel »Salons und Musenhöfe. Neuständische Geselligkeit in Berlin und der Mark Brandenburg« organisieren das Kleist-Museum und die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder zusammen mit dem Findling-Verlag Kunersdorf und dem Landkreis Oder-Spree ein Projekt zur Salonkultur um das Jahr 1800. Es ist Teil der Kampagne »Kulturland Brandenburg«. Im Jahr 2008 steht diese unter dem Titel »Provinz und Metropole - Metropole und Provinz«. Ziel dieser Kampagne ist es, das kulturelle Erbe und die kulturelle Vielfalt der Region Brandenburg ins öffentliche Bewusstsein zu heben und für Bewohner und Besucher des Landes Brandenburg erlebbar zu machen. »Kulturland Brandenburg« wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie der brandenburgischen Sparkassen und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg.
»Salons und Musenhöfe in Berlin und Brandenburg erleben in jüngster Zeit ein bemerkenswertes Interesse, in der wissenschaftlichen Forschung ebenso wie in der Kulturpolitik. Dies gilt für vor allem für die Beschäftigung mit der Berliner Salongeselligkeit im Kontext der Entstehung einer Metropolenkultur um 1800, darüber hinaus aber auch für die ländlichen Musenhöfe in der Mark Brandenburg. Zwischen beiden Institutionen der Geselligkeit gab es enge personelle Verflechtungen, der Schriftsteller Günter de Bruyn hat von einem Verhältnis der „Entsprechung" zwischen den Berliner Salons und den Musenhöfen in der Mark Brandenburg gesprochen.
Die Themen des Projektes werden in zwei öffentlichen Veranstaltungen am 31.05. und am 18.07.2008 begleitet.
Auf dem Kunersdorfer Musenhof führten die Frauen von Friedland, Helene Charlotte von Lestwitz, und ihre Tochter, Henriette Charlotte von Itzenplitz, einen Salon für die aufgeklärte Berliner Gesellschaft. Sie machten den Musenhof zu einem geistig-kulturellen Ort, der solche Gäste wie die Brüder Humboldt, die Bildhauer Schadow, Rauch und Tieck, den Landwirtschaftsreformer Thaer, den Rechtsgelehrten Savigny, Goethes Freund Zelter und viele andere begrüßen konnte. Adelbert von Chamisso – Offizier, Botaniker und Schriftsteller – schrieb hier an seinem „Peter Schlemihl".
Programm: Eröffnung mit Ministerin Wanka, Musenhof-Führung, Vorträge im Park des Musenhofs zu Caroline und Friedrich de la Motte Fouqué, Adelbert von Chamisso u.a., Podiumsdiskussion „Die neuen Musenhöfe – Urbanität auf dem Land?". Für das leibliche Wohl ist gesorgt, die Gruppe „Pathia Musica" spielt heitere Salonmusik um 1800, auf dem Gelände des Musenhofs wandeln Personen in historischen Kostümen.
Das Kolloquium wird sich der Frage nach den sozial- und kulturgeschichtlichen Gründen für die zeitlichen Verdichtungen zwischen den städtischen Salons und den ländlichen Musenhöfen in Berlin und Brandenburg um 1800 zuwenden. Als Forschungsinterpretatement wird dabei das Konzept der „neuständischen Geselligkeit" im Mittelpunkt stehen, das mit Blick auf ein mögliches Forschungsprojekt erprobt wird.
Veranstalter:
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Findling Verlag Kunersdorf/Oderbruch
Kleist-Museum, Frankfurt (Oder)
Landkreis Oder-Spree
VorOrt – Kunst, Kultur, Kommunikation e.V.