Halle im October 1806
13. October
sich noch nicht vor den Franzosen sicher, und einige setzten ihre Flucht jenseits der Stadt fort. Auch Preußische Jäger zu Fuß mit der ihnen anvertrauten Bagage, langten von Leipzig her an. Nach dem verlornen Treffen bey Schlaiz erhielten sie Befehl, sich zurückzuziehen und waren so, beständig vom Feinde verfolgt, von ihrem Korps abgekommen. Diese Jäger, die Reconvalescenten vom Lazarethe, das dritte Bataillon des Curassierregiments Quitzow und 100 Mann vom Depotbataillon des Regiments Renouard, nebst der Invalidenkompagnie dieses Regiments, besetzten, so gut es sich thun ließ, die Thore und andere Posten, und wollten den Feind erwarten; doch hielt man sie für zu schwach und fürchtete die Ankunft der Franzosen, bis man endlich gegen Mittag, aus dieser mißlichen Lage befreyt wurde. Schon am 11ten October hatte der Herzog von Württemberg, wel-
cher die Reservearmee bei Magdeburg sammelte, Befehl erhalten, schleunigst nach Halle aufzubrechen, um diese Stadt zu decken, und in der Nähe der Hauptarmee zu seyn. Er brach auf, der Marsch der Truppen wurde durch Eilboten, welche die dringende Gefahr der Stadt meldeten beschleunigt. Gegen Mittag rückte die Leibcompagnie des Regiments Kalckreuth mit zwey Kanonen ein. Welch eine Freude; welch ein Jubel empfing sie! Man nahm sie als Erretter auf, man theilte Obst und andere Erfrischungen unter diese, vom Marsche erhitzten und abgematteten Krieger aus. Ohne Verzug rückten sie vor das Galgthor und besetzten dasselbe, um hier den Feind zu erwarten, der übrigens für heute nichts von sich hören, noch sehen ließ. Man athmete freyer, man ging wieder an seine Geschäfte und obgleich die Erwartung der Entwicklung der Dinge, manche Brust unruhiger hob, so glaubte man sich doch für diesen Augenblick und künftig gegen jeden Überfall, durch die nahe Ankunft der Reservearmee hinlänglich gesichert. Am Nachmittage kamen einige Hallische Kaufleute von Leipzig an. Sie brachten die Nachricht mit, daß in vergangener Nacht ein kleines Detachement des Feindes in Leipzig gewesen wäre, gebrandschatzt, einige Pferde weggenommen habe, und gegen Morgen wieder ausgerückt sey. Das in der Stadt liegende zahlreiche Sächsische Militär sey vor der Ankunft der Franzosen ausmarschiert, die Stadt läge voll von Verwundeten und Flüchtlingen von den Affairen bey Schlaiz und Saalfeld; Prinz Louis sey geblieben. Noch in der Nacht langten mehrere Bataillone vom Eugenschen Korps an, welche an diesem Tage einen Weg von 6-7 Meilen zurück gelegt hatten.