Ausstellung »Blickwechsel. Frankfurter Frauenzimmer um 1800«

Das Historische Museum Frankfurt am Main zeigt Lebenswege im »Jahrhundert der Frauen« - Sonderausstellung vom 23. August bis 25. November 2007

Kaum eine Zeit führt so facettenreich die weiblichen Lebenswelten vor Augen, wie das 18. Jahrhundert. Deshalb wurde es auch das »Jahrhundert der Frauen« genannt. Die Portraitmalerei erfreute sich gerade im bürgerlichen Frankfurt ab der Mitte des 18. Jahrhunderts sehr großer Beliebtheit. Grundlage für die Ausstellung ist die Portraitsammlung des Historischen Museums Frankfurt am Main. Die Bildnisse geben sehr viel über die Eigenart der dargestellten Frauen wieder.

Der Wechsel des Blicks von der männlichen zur weiblichen Hälfte des Frankfurter Bürgertums führt zur überraschenden Einsicht, dass eine Stadt auch vor dem Anbruch der Moderne nicht ohne Frauen „funktionierte". Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, Sammlerinnen und Stifterinnen, Meisterinnen und Handelsfrauen arbeiteten im Familienverband und behaupteten ihre wirtschaftliche Existenz gegenüber männlicher Konkurrenz. Frankfurterinnen trugen soziale Verantwortung und engagierten sich in der städtischen Öffentlichkeit. Über ihre Lebensbedingungen zu berichten, ihren Spuren nachzugehen und ihre Verdienste wieder in das kulturelle Gedächtnis dieser Stadt aufzunehmen, das sind die Beweggründe für diese Ausstellung.

Im 18. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Gefühle stark zu. Ein neues Ideal - für Frauen wie Männer - war die Liebesheirat. Zärtliche Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie unter Geschwistern bestimmten zunehmend das Familienleben. Im Zentrum der häuslichen Kindererziehung standen die Mütter. Als „emotionale" Gastgeberinnen stifteten die Frauen viele Beziehungen.

Sie hielten literarische Zirkel ab und pflegten in „Sammlungskabinetten" eine Geselligkeit, die nicht nur dem privaten Vergnügen diente, sondern Künstler und Gelehrte zusammenbrachte. Sie prägten das kulturelle Geschehen ihrer Heimatstadt entscheidend mit und engagierten sich durch ihre Stiftungen für das öffentliche Gemeinwesen.

Die Bürgergesellschaft setzte um 1800 auf neue Werte. Es entwickelte sich eine Freundschaftskultur, die durch private Briefwechsel und Stammbücher intensiv gepflegt wurde. Auch das religiöse Empfinden und die kirchliche Praxis spielten in diesen Kreisen eine bedeutende – Gesellschaft und Geselligkeit gleichermaßen prägende – Rolle. Über ihre Netzwerke gewannen die Bürgerinnen zwangsläufig Anteil an der Gestaltung öffentlicher Belange. Zu den ersten Vereinen Frankfurts überhaupt gehörte der „Frankfurter Frauenverein" – er wurde 1813 von Frauen in eigener Initiative gegründet. Die Gründerinnenliste dieses Vereins deckt sich fast mit der des etwas später (1818) entstandenen »span class="werktitel">Cäcilienvereins«.

Stifterinnen wie Justinia von Cronstetten oder Sammlerinnen wie von Catharina von Barckhaus prägten das kulturelle Geschehen wie das öffentliche Gemeinwesen ihrer Stadt. Frauen wie sie waren religiös und kulturell sehr einflussreich. Durch ihre öffentliche Wirksamkeit bleiben sie dem kulturellen Gedächtnis der Stadt erhalten.

Erfolgreiche Maler und Kupferstecher zeichneten sich im ausgehenden 18. Jahrhundert durch hohe Risikobereitschaft, genaue Marktbeobachtung, räumliche Mobilität und eine professionelle Vernetzung mit anderen Künstlern, mit Kunsthändlern, Sammlern und Mäzenen aus. Das galt in besonderem Maß für die wenigen Frankfurter Malerinnen und Kupferstecherinnen, die oft in Familienstrukturen oder Werkstätten eingebunden arbeiteten. Diesen Zwängen entkamen nur Frauen des gehobenen Bürgertums und des Adels, die in materiell gesicherten Verhältnissen lebten und der Kunst als „Dilettantinnen" nachgehen konnten, wie das Beispiel einiger Frankfurterinnen zeigt.

In der Arbeitswelt hatten die Frankfurter Frauen ihren Platz nicht nur im Haushalt. Sie waren in handwerkliche Arbeitsprozesse genauso eingebunden wie im eigenständig betriebenen Kleinhandel. Ehefrauen, Töchter und Mägde organisierten die Werkstatt, schlossen Handelsgeschäfte ab und überwachten die Bilanzen. Die Ausstellung beschreibt den hohen Stellenwert weiblicher Erwerbsarbeit und deren Einbettung in das städtische Arbeitsleben anhand von handwerklichen Gegenständen und Selbstzeugnissen. Meisterinnen und Handelsfrauen arbeiteten im Familienverband und behaupteten ihre wirtschaftliche Existenz gegenüber männlicher Konkurrenz.

Seit den 1770er Jahren verbrachten die vermögenden Frankfurter Familien die Sommermonate in ihren Gärten außerhalb der Stadt. Das Leben in der Natur wurde nun zum Inbegriff von Erholung, aber auch für eine neue Form bürgerlicher Geselligkeit. Die Gartenhäuser waren mit Gemälden ausgestattet, Skulpturen und Vasen schmückten die Gärten. Die Hausherrin war vor weitreichende Herausforderungen gestellt. Die Bewirtschaftung des Gartens, der Felder und des Treibhauses verlangten Fachkenntnisse und organisatorische Fähigkeiten. Für die Pflege der privaten bürgerlichen Geselligkeit war der Garten der ideale Ort. Hier fand man Freundschaft unter Gleichgesinnten.

Veranstaltungsinformation:
»Blickwechsel. Frankfurter Frauenzimmer um 1800«
23.08. - 25.11.2007 |
Historisches Museum Frankfurt
Saalgasse 19 (am Römerberg) | 60311 Frankfurt am Main

Eintritt: 5,00 € / 2,50 € ermäßigt

Publikationsinformationen:

»Blickwechsel. Frankfurter Frauenzimmer um 1800« - von Ursula Kern (Hg.)
Seiten: 336
Format: 23,6 x 2,7 x 29 cm
Verlag: Kramer, Waldemar
ISBN-13: 978-3-7829-0573-2
ISBN-10: 3782905733
Preis: 26,00 €