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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Heinrich Marx

* 15.04.1777 in Saarlouis
† 10.05.1838 in Trier

Heinrich Marx wurde am 15.04.1777 in Saarlouis als Herschel Levi Marx geboren. Er war der Sohn des Rabbiners Mordechai Marx-Levi (1743–1804) und dessen Ehefrau Chaje Levoff (1753–1823), Tochter des im Jahre 1788 verstorbenen Trierer Rabbiners Moses Lwów.

Aus dieser Ehe stammten auch seine Geschwister Samuel (1175-1827), der spätere Trierer Oberrabbiner, die älteste Schwester Ester (1786-1865), die den Kaufmann  Gabriel Kosel aus Frankfurt am Main heiratete. Die Schwester Babette (1789-1875) schloss im Jahre 1813 die Ehe mit dem Kaufmann Alexander Blum. Cerf Marx (1790-1831) arbeitete als Uhrmacher und der jüngste Bruder Jakob (1800-1850) wurde Kaufmann. Der Bruder Moises (1789-1809) starb noch als Schüler und der im September 1798 geborene Golem Marx starb am 22.08.1798 kurz vor Vollendung des ersten Lebensjahres.

Marx wuchs in einen aschkenasisch-jüdischen Umfeld auf. Die Familie gehörte zur traditionsreichen jüdischen Gemeinde der kurtrierischen Residenzstadt. Der Vater war nach dem Tod des Schwiegervaters als Rabbiner der Trierer Gemeinde ein angesehener Gelehrter, der mit den religiösen und rechtlichen Belangen der Gemeinde betraut war.

Zunächst arbeitete er als Sekretär für das jüdische Konsistorium in Trier. Während der »Franzosenzeit« waren jüdische Mitbürger den christlichen Staatsbürgern faktisch rechtlich gleichgestellt. Über seine weiteren Stationen bis 1810 ist bisher nichts bekannt. Er nahm am 06.10.1808 den Familiennamen Marx an.

Belegt ist, dass Marx im Oktober 1810 die neu gegründete Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin besuchte, um Jura zu studieren. Es schloss sich 1811/12 die Tätigkeit eines vereidigten Übersetzers an französischen Gerichtsbehörden in Osnabrück an.

Ab 1813 setzte er seine Studien an der École de Droit in Koblenz fort und schloss das Studium als Brevet de capacité ab, was ihm erlaubte als Anwalt zu arbeiten. Die École de Droit war der zentrale Ausbildungsstandort für Juristen im französischen Rheinland.

Das Rheinland wurde durch den Wiener Kongress den Königreich Preußen zugeschlagen. Für den jüdischen Juristen Marx stand 1816 seine berufliche Existenz auf dem Spiel, da die preußische Judenpolitik nach 1815 nicht mehr so tolerant war wie unter Napoléon. In Preußen kam das Verbot auf, wonach jüdische Untertanen nicht mehr als Anwälte praktizieren dürften. Er verlor zunächst seine Zulassung als Anwalt.

Auch Eingaben von Juristen der Rheinprovinz für ihn eine Ausnahmegenehmigung beim preußischen Justizminister Friedrich Leopold von Kircheisen zu erwirken scheiterte. So blieb ihm nur der Weg zum evangelischen Glauben zu konvertieren. So konnte er schließlich seine berufliche Existenz sicherstellen. Das genaue Datum der Taufe ist nicht überliefert, wird nach aktuellem Forschungsstand um die Jahreswende 1819/1820 vermutet. Seine Kinder wurden 1824 im elterlichen Heim durch den Garnisonspfarrer Mühlenhoff getauft und im folgenden Jahr konvertierte auch seine Ehefrau zum evangelischen Glauben.

Er musste erneut die Zulassung als Anwalt beantragen. Es folgte im Jahre 1820 die Wiederaufnahme seiner anwaltlichen Tätigkeit. Ab dem Jahre 1831 folgte seine Ernennung zum Königlich preußischen Justizrat.

Marx genoss großes Ansehen als Anwalt in Trier, der ein hervorragender Kenner des im Wesentlichen auf dem Code Napoleon basierenden Rheinischen Rechts, das bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 galt, beruhte.

Heinrich Marx pflegte enge Kontakte zu gebildeten Kreisen. So gehörten Gymnasiallehrer und aufgeklärte katholische Geistliche ebenso zu seinem Freundeskreis wie rheinische Liberale oder bürgerliche Vertreter des Trierer Stadtrats.

Am 22.11.1814 heiratete Heinrich Marx die aus einer traditionsreichen jüdischen Unternehmerfamilie stammende Henriette PressburgPres (1788–1863) aus Nijmegen, nachdem am Tag zuvor ein Ehevertrag geschlossen wurde. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor.

Zu den Kindern gehörten der im Kindesalter verstorbene Mauritz David (1815-1819), der noch nach jüdischen Ritus beschnitten und auf dem jüdischen Friedhof an der Weidengasse in Trier beigesetzt wurde.

Die Tochter Sophie wurde 1816 geboren und heiratete im Jahre 1842 den Maastrichter Staatsanwalt Willem Robert Schmalhausen (1817-1862) verheiratet.

Am 05.05.1818 wurde in Trier der Philosoph und Ökonom Karl Heinrich Marx geboren. Er begann 1842 als Redakteur der Rheinischen Zeitung seine politische Laufbahn und zusammen mit Friedrich Engels gilt er als Begründer des Historischen Materialismus und Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus.

Heinrich Marx galt als liebevoller, aber intellektuell anspruchsvoller Vater. Im Briefwechsel läßt Heinrich Marx erkennen, dass er Karl zu einer bürgerlichen akademischen Laufbahn, wie zum Beispiel Rechtswissenschaften, drängen wollte. Seine Ermahnungen zur Disziplin, Moral und Mäßigung spiegeln die Werte der rheinländischen Aufklärungsfamilie wider.

Der Kaufmann Hermann (1819-1842) wurde 1819 in Nijmegen geboren, wo sich die Gattin Heinrich Marx nach dem Tode des Erstgeborenen zur Erholung aufhielt, nach jüdischen Glauben beschnitten. Er war als Handlungsgehilfe in Brüssel tätig, kehrte jedoch 1840 schwer erkrankt nach Trier zurück, wo er 1842 starb.

Henriette Marx (1820-1845) war mit dem Architekten Arnold Theodor Wilhelm Albert Simons (1813-1863) verheiratet.

Louisa Marx (1821-1893) heiratete im Jahre 1853 Carl Jarel Juta, der in Kapstadt als Buchhändler und Verleger tätig war.

Emilie Marx (1822-1888) heiratete den Wasserbauaufseher Johann Jacob Conrady (1821-1892), der in mehreren Erbschaftsangelegenheiten die Interessen seines in London lebenden Schwagers Karl vertrat.

Caroline Marx (1824-1847) starb unverheiratet an der Schwindsucht.

Das letztgeborene Kind des Ehepaares war Eduard (1826-1837), der als Gymnasiast an den Folgen der Schwindsucht starb.

Die Familie lebte in einem liberal und bürgerlich geprägten Haushalt, in dem französische Literatur, Aufklärungstheorie und klassisches Recht eine wichtige Rolle spielten. 

In den 1830er Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erheblich. Wenige Wochen vor dem Tode des Vaters wurden die Töchter noch gefirmt. 

Am 10.05.1838 starb Heinrich Marx in Trier im Alter von 61 Jahren. Er wurde auf dem Evangelischen Friedhof Trier beigesetzt; das Grab existiert heute nicht mehr.

In Trier erinnern heute noch Straßennamen an die Familie des Juristen sowie zwei Wohnhäuser, in denen der Jurist mit seiner Familie wohnte.