Der Dritte Koalitionskrieg 1805
Ulm – Trafalgar – Austerlitz
Der Dritte Koalitionskrieg des Jahres 1805 war eine der entscheidendsten militärischen Auseinandersetzungen der napoleonischen Ära. Napoleon Bonaparte besiegte die Dritte Koalition – bestehend aus Großbritannien, Österreich, Russland, Schweden und Neapel – in einem Blitzfeldzug von wenigen Monaten. Die Kapitulation von Ulm am 17.10.1805, die Seeschlacht von Trafalgar am 21.10.1805 und die Dreikaiserschlacht von Austerlitz am 02.12.1805 entschieden Kontinentalherrschaft und Seeherrschaft in entgegengesetzte Richtungen: Frankreich dominierte Europa zu Lande, Großbritannien die Weltmeere. Der Friede von Pressburg (26.12.1805) beendete den Krieg und leitete mit der Gründung des Rheinbunds und dem Ende des Heiligen Römischen Reiches eine neue Epoche europäischer Geschichte ein.
1. Einleitung
Das Jahr 1805 markiert einen der dramatischsten Wendepunkte in der Geschichte Europas. Innerhalb weniger Monate verwandelte Napoleon Bonaparte den Kontinent durch eine kühne Kombination aus strategischem Genie, militärischer Schnelligkeit und diplomatischer Geschicklichkeit grundlegend. Der Dritte Koalitionskrieg – in der französischen Historiographie auch als Deuxième Guerre napoléonienne bezeichnet – dauerte von August bis Dezember 1805 und endete mit dem Frieden von Pressburg vom 26.12.1805 als dem glänzendsten Sieg Napoleons.[1]
Auf der einen Seite stand das napoleonische Frankreich, unterstützt von süddeutschen Verbündeten; auf der anderen hatten sich Großbritannien, Österreich, Russland, Schweden und das Königreich Neapel zur Dritten Koalition zusammengefunden. Preußen, das trotz wachsender Spannungen an seiner Neutralitätspolitik festhielt, beobachtete das Geschehen aus der Ferne. Das Jahr 1805 war geprägt von drei Ereignissen: der Kapitulation von Ulm am 17.10.1805 – Napoleons Triumph über die Österreicher auf dem Kontinent; der Seeschlacht von Trafalgar am 21.10.1805 – Großbritanniens Sieg unter dem sterbenden Horatio Nelson; und der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 02.12.1805 – von Napoleon selbst als sein schönster Sieg bezeichnet. Ulm und Austerlitz sicherten Frankreichs kontinentale Hegemonie, Trafalgar die britische Seeherrschaft für mehr als ein Jahrhundert.[2]
2. Vorgeschichte: Vom Frieden von Amiens bis zum Kriegsausbruch
2.1 Der brüchige Frieden von Amiens (1802)
Mit dem Frieden von Lunéville (09.02.1801) und dem Frieden von Amiens (27.03.1802) schienen nach dem Zweiten Koalitionskrieg die Waffen endlich zu schweigen. Doch die Grundlage dieses Friedens war brüchig von Beginn an. Die britische Regierung sollte Malta an den Johanniterorden zurückgeben und die besetzten Kolonien restituieren. Frankreich verpflichtete sich zum Abzug aus Ägypten, Neapel und der Batavischen Republik sowie zur Garantie der portugiesischen Unabhängigkeit.[3]
Napoleon nutzte die Friedenszeit energisch aus: Er gliederte Piemont Frankreich an, verwandelte die Cisalpinische Republik in die „Italienische Republik“ mit sich selbst als Präsidenten und ließ sich am 02.12.1804 in Notre-Dame de Paris als Kaiser der Franzosen krönen. Großbritannien, das Malta als strategischen Schlüssel zum Mittelmeer betrachtete, verweigerte die Rückgabe der Insel.
2.2 Die Entstehung des Konflikts (1803–1805)
Am 13.03.1803 kritisierte Napoleon den britischen Botschafter Lord Whitworth bei einem offiziellen Empfang öffentlich für die britische Vertragsverletzung. Whitworth kehrte nach London zurück. Am 18.05.1803 erklärte Großbritannien Frankreich den Krieg. Als Reaktion besetzte Napoleon das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und begann, ein mächtiges Invasionskorps bei Boulogne-sur-Mer zusammenzuziehen: Die Armée des côtes de l’Angleterre umfasste rund 150.000 Mann.[4]
Im März 1804 ließ Napoleon den bourbonischen Prinzen Louis Antoine de Bourbon, duc d’Enghien, auf badischem Territorium entführen und am 21.03.1804 im Château de Vincennes erschießen – eine Tat, die ganz Europa erschütterte und Russland endgültig in das Lager der Gegner trieb. Am 26.05.1805 krönte sich Napoleon in Mailand mit der Eisernen Krone der Langobarden zum König von Italien und gliederte Genua Frankreich an. Österreich und Preußen waren alarmiert. William Pitt der Jüngere, seit Mai 1804 erneut britischer Premierminister, betrieb zielstrebig die Bildung einer neuen Koalition.[5]
3. Die Bildung der Dritten Koalition
Am 11.04.1805 unterzeichneten Großbritannien und Russland in St. Petersburg einen Bündnisvertrag mit dem erklärten Ziel, Frankreich auf die Grenzen von 1792 zurückzudrängen. Schweden und das Königreich Neapel schlossen sich dem Bündnis an. Österreich trat am 09.08.1805 der Koalition bei, nachdem Napoleons Annexionspolitik in Italien alle Grenzen überschritten hatte. Mit dem britischen Subsidienversprechen verfügte die Koalition theoretisch über rund 420.000 Mann.[6]
Preußen hingegen blieb neutral. König Friedrich Wilhelm III. wollte den drohenden Krieg vermeiden. Diese Haltung sollte sich kurz darauf als fatale Fehlkalkulation erweisen.
Napoleon hatte parallel den Aufbau eines süddeutschen Gegenbundnisses betrieben. Mit dem Geheimvertrag von Bogenhausen vom 25.08.1805 band er Bayern eng an Frankreich. Württemberg, Baden und Hanau folgten kurz darauf. Diese Staaten hatten durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25.02.1803 enorme Gebietsgewinne erhalten und sahen in der Anlehnung an Napoleon die Garantie ihrer neu gewonnenen Größe. Sie stellten insgesamt rund 30.000 Mann für die Feldzuge Frankreichs.[7]
4. Die strategischen Planungen beider Seiten
4.1 Der Plan der Koalition
Die alliierten Planer trafen sich am 16.07.1805 in Wien: Der russische Abgesandte General Ferdinand von Wintzingerode verhandelte mit Erzherzog Karl, Karl Mack von Leiberich und Karl Philipp zu Schwarzenberg. Der Plan sah eine koordinierte Offensive auf vier Schaupltzen vor: In Süddeutschland sollten Erzherzog Ferdinand und General Mack mit 60.000 Mann nach Bayern vorstoßen und sich mit Feldmarschall Michail Kutusow (ca. 50.000 Mann) vereinigen. In Norditalien sollte Erzherzog Karl mit 95.000 Mann die verlorenen österreichischen Provinzen zurückzuerobern.[8]
Der entscheidende Fehler dieses Plans lag in der Unterschätzung der französischen Bewegungsgeschwindigkeit und in der Erwartung, die Hauptauseinandersetzung werde in Norditalien stattfinden.
4.2 Napoleons Strategie: Von Boulogne an den Rhein
Ende August 1805 befahl Napoleon die Auflösung des Invasionslagers von Boulogne. Die Grande Armée – sieben kampferprobte Armeekorps unter Marschällen wie Soult, Ney, Davout, Lannes, Bernadotte und Murat – marschierte in Eilmärschen an den Rhein. Insgesamt verfügten Napoleon und seine Verbündeten über rund 210.000 Mann sowie 396 Kanonen. Napoleons Ziel war es, die österreichische Armee in Süddeutschland zu vernichten, bevor Kutusows Russen eintreffen konnten.[9]
5. Der Seekrieg und die Seeschlacht von Trafalgar (21.10.1805)
5.1 Napoleons Invasionsplan und das Scheitern der Flottenstrategie
Solange Großbritannien die Seeherrschaft besaß, war an eine Invasion der britischen Inseln nicht zu denken. Napoleons maritime Strategie sah vor, die französischen und spanischen Flotten aus den britischen Blockaden zu befreien, in der Karibik zu operieren und so Nelsons Verbände von Europa wegzulocken, um dann gesammelt den Ärmelkanal zu kontrollieren und den Übergang der Invasionsarmee zu decken. Vizeadmiral Pierre de Villeneuve, Kommandeur der vereinigten Flotte, führte seine Schiffe zwar in die Karibik – aber der Plan schlug fehl. Nach der Seeschlacht bei Kap Finisterre (22.07.1805) zog sich Villeneuve nach Cádiz zurück, wo er von der britischen Flotte blockiert wurde. Napoleon gab den Invasionsplan auf und wandte sich dem Kontinent zu.[10]
5.2 Die Seeschlacht am 21.10.1805
Am 16.09.1805 erhielt Villeneuve den Befehl, seine Flotte aus Cádiz auszuführen und Truppen bei Neapel anzulanden. Zögernd – er wusste um die schlechte Ausbildung seiner Mannschaften – hielt er sich zurück. Erst als er am 18.10.1805 erfuhr, dass Vizeadmiral François-Étienne de Rosily mit dem Befehl zu seiner Ablösung unterwegs war, ließ er seine 33 Schiffe (18 französische, 15 spanische) am 19.10.1805 auslaufen. Ihm gegenüber stand Vizeadmiral Horatio Nelson mit 27 Linienschiffen.[11]
Nelson hatte seinen Schlachtplan – die sogenannte Nelson Touch – bereits Wochen zuvor seinen Kapitänen erläutert: Statt einer parallelen Schlachtlinie würde er die gegnerische Formation mit zwei senkrechten Kolonnen durchbrechen. Am 21.10.1805 um 11:50 Uhr ließ Nelson von seiner Flagge HMS Victory das berühmte Signal setzen: „England expects that every man will do his duty.“ Dann brachen beide Kolonnen in die französisch-spanische Linie ein. Im erbitterten Nahkampf errang die Royal Navy einen vernichtenden Sieg: 19 bis 20 gegnerische Schiffe wurden gekapert oder zerstört, darunter das weltgrößte Kriegsschiff Santísima Trinidad. Villeneuve selbst wurde gefangen genommen. Die Briten verloren kein einziges Schiff.[12]
Der Preis war hoch: Nelson wurde um ca. 13:15 Uhr von einem französischen Scharfschützen von Bord der Redoutable tödlich verwundet und starb um 16:30 Uhr – in dem Bewusstsein, den vollständigen Sieg errungen zu haben. Die Verluste betrugen auf alliierter Seite rund 3.243 Tote, 2.538 Verwundete und 8.000 Gefangene; die Briten verloren 446 Mann, 1.246 wurden verwundet.[13]
5.3 Strategische Bedeutung von Trafalgar
Trafalgar beendete Napoleons Träume von einer Invasion Englands ein für alle Mal. Großbritannien sicherte sich damit eine Seeherrschaft, die es bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nicht mehr verlieren sollte. Paradoxerweise konnte Napoleon diesen Sieg durch seine Landsiege zunächst ignorieren. Mittel- und langfristig aber war Trafalgar die Grundlage für die britische Kontinentalblockade und den wirtschaftlichen Krieg, der schließlich Napoleon zu Fall bringen sollte.[14]
6. Der Feldzug in Süddeutschland: Die Kapitulation von Ulm
Am 08.09.1805 überschritten österreichische Truppen unter General Karl Mack von Leiberich ohne Kriegserklärung die bayerische Grenze. 30 Bataillone und 30 Eskadronen rückten auf Ulm zu. Die bayerische Armee konnte sich durch Eilmärsche über Forchheim nach Franken absetzen und schloss sich dort dem anmarschierenden französischen Armeekorps unter Bernadotte an. Frankreich erklärte am 23.09.1805 Österreich den Krieg.[15]
Napoleons Manöver war ein Meisterstück strategischer Planung: Die sieben Korps der Grande Armée marschierten auf breiter Front durch süddeutsches Gebiet – zum Teil durch das neutrale preußische Gebiet der Markgrafschaft Ansbach, was in Berlin einen Proteststurm ausgelöst hatte. Damit umging Napoleon Macks an der Iller stehende Hauptarmee nicht von vorne, sondern hinter ihr. Bis Mitte Oktober standen die Franzosen zwischen Ulm und Wien; die österreichische Armee war eingeschlossen. Am 17.10.1805 kapitulierten General Mack und rund 25.000 österreichische Soldaten bei Ulm – eine der größten Kapitulationen der Kriegsgeschichte ohne vorherige Hauptschlacht.[16]
Der Weg nach Wien lag offen. Die österreichischen Truppen in Norditalien unter Erzherzog Karl mussten nun kehrtmachen. Sie kamen zu spät, um die Ereignisse noch beeinflussen zu können.
7. Von Ulm nach Wien
Nach Ulm rollte die Grande Armée auf Wien zu. Im Gefecht bei Dürnstein am 11.11.1805 schnitten russische Truppen unter Kutusow einen französischen Korpsverband ab und fügten ihm schwere Verluste zu. Die französische Kavallerie unter Murat nahm am 13.11.1805 Wien durch einen kühnen Handstreich ein: Murat und Marschall Lannes täuschten den österreichischen Kommandeur mit einem fingierten Waffenstillstand und überquerten die Taborbrücke über die Donau, ehe die Österreicher sie sprengen konnten.[17]
Kaiser Franz I. hatte Wien bereits verlassen und war zur Armee Kutusows nach Mähren abgereist. Napoleons Hauptquartier befand sich nun in Schloss Schönbrunn. Trotz dieser prekären Lage entschied das Bündnis aus Österreich und Russland, eine Entscheidungsschlacht zu suchen – ein Entschluss, der sich als verhängnisvoll erweisen sollte.
8. Die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (02.12.1805)
8.1 Strategische Lage und Vorspiel
Anfang Dezember 1805 standen sich bei Brünn (Brno) in Mähren die Armeen gegenüber: Napoleon mit ca. 73.000 Mann und 157 Kanonen; ein russisch-österreichisches Heer unter dem nominellen Kommando von Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. mit General Kutusow als eigentlichem Heerführer – insgesamt rund 85.000 Mann und 278 Kanonen. Der Name „Dreikaiserschlacht“ rührt daher, dass alle drei beteiligten Großreiche von Kaisern regiert wurden, die persönlich anwesend waren.[18]
Napoleon veranlasste seinen Gegner gezielt zu einem Angriff auf seinen scheinbar schwachen rechten Flügel im Süden des Schlachtfeldes. Er ließ seinen rechten Flügel bewusst dünn erscheinen und provozierte den Feind zur Übernahme der Initiative. Den jungen russischen Flügeladjutanten Fürst Dolgorukow empfing er demonstrativ in bescheidener Aufmachung, um die Koalition in falscher Sicherheit zu wiegen.
8.2 Verlauf der Entscheidungsschlacht
Am Morgen des 02.12.1805 – dem ersten Jahrestag von Napoleons Kaiserkrönung – lag dichter Nebel über dem Pratzenplateau. Als sich die alliierten Truppen massiert gegen den französischen rechten Flügel schoben, entblößten sie ihr eigenes Zentrum. Napoleon befahl Marschall Soult um ca. 09:00 Uhr: „Ein Viertelstunde, und die Sache ist gewonnen.“ Die Divisionen Vandamme und Saint-Hilaire erstürmten im Eilmarsch den Pratzenplateau und teilten die Koalitionsarmee in zwei Hälften. Kavallerieattacken Murats sicherten den nördlichen Flügel. In ihrer Panik versuchten einige alliierte Verbände, über die zugefrorenen Satschaner Teiche zu fliehen – Napoleon ließ die Artillerie auf das Eis feuern; mehrere Hundert Mann sollen ertrunken sein.[19]
8.3 Ergebnis und Verluste
Die Dreikaiserschlacht endete als vollständige Vernichtung der Koalitionsarmee. Die Alliierten verloren über 36.000 Mann (mehr als 26.000 Tote und Verwundete sowie über 9.000 Gefangene) und 185 Geschütze. Die Franzosen beklagten rund 9.000 Tote und Verwundete. Noch am Abend des 02.12. bat Kaiser Franz um einen Waffenstillstand. Napoleon empfing ihn am 04.12. in einer Mühle beim Dorf Austerlitz. Der Waffenstillstand von Znaim folgte am 06.12.1805. Kutusow entkam mit den russischen Hauptkräften und zog sich auf russisches Territorium zurück. Zar Alexander I. verließ das Schlachtfeld in Tränen.[20]
9. Der Frieden von Pressburg (26.12.1805)
Die Friedensverhandlungen wurden in Pressburg (heute Bratislava, Slowakei) geführt. Für Österreich verhandelten Fürst Johann Josef von Liechtenstein und Graf Ignatz von Gyulai; Frankreich war durch Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand vertreten. Napoleon und Talleyrand hatten bereits während des Feldzuges über die Behandlung Österreichs gestritten: Talleyrand plädierte für ein gemäßigtes Vorgehen, das Österreich als möglichen zukünftigen Bündnispartner erhalten sollte; Napoleon bestand auf harten Bedingungen. Am 26.12.1805 wurde der Vertrag unterzeichnet; tags darauf ratifizierte ihn Napoleon auf Schloss Schönbrunn.[21]
Die Bestimmungen des Friedens von Pressburg waren für Österreich vernichtend:
- Venezien, Istrien und Dalmatien wurden dem Königreich Italien einverleibt.
- Tirol, Vorarlberg und Salzburg fielen an Bayern.
- Die vorderösterreichischen Besitzungen in Schwaben gingen an Württemberg und Baden.
- Österreich zahlte 40 Millionen Francs in Gold als Kriegsentschädigung.
- Napoleon musste als König von Italien anerkannt werden.
- Bayern und Württemberg wurden zu souveränen Königreichen, Baden zum Großherzogtum erhoben.
Russland schloss keinen Frieden und setzte formell den Krieg fort, zog seine Truppen jedoch zurück. Großbritannien führte den Kampf ebenfalls weiter. Die Dritte Koalition war damit de facto zerbrochen.[22]
10. Ausblick: Die Neuordnung Europas 1806
Die Ergebnisse des Dritten Koalitionskrieges veränderten die politische Landkarte Europas dauerhaft. Napoleon nutzte seinen Triumph, um das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – eine Staatsformation, die seit über 900 Jahren bestand – endgültig aufzulösen. Auf seine Initiative hin unterzeichneten am 12.07.1806 in Paris die Vertreter von 16 deutschen Reichsfürsten die Rheinbundakte (Acte de la Confédération du Rhin) und erklärten am 01.08.1806 ihren Austritt aus dem Reichsverband. Napoleon übernahm die Rolle des „Protektors“ dieser Konfederation.[23]
Kaiser Franz II., der sich bereits 1804 vorausschauend den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich gegeben und damit als Franz I. von Österreich neu etabliert hatte, sah sich angesichts eines französischen Ultimatums zum Handeln gezwungen. Am 06.08.1806 legte er in einer Abdankungserklärung „die deutsche Kaiserkrone und das Reichsregiment“ nieder und entband alle Reichsstände von ihren Pflichten gegenüber dem Reich. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, dessen Geschichte bis auf Karl den Großen zurückreichte, hörte damit nach mehr als 900 Jahren zu existieren auf.[24]
Preußen, das seine Neutralitätspolitik beibehalten hatte, sah sich nun von Frankreichs Einflussphäre umschlossen. Als bekannt wurde, dass Napoleon Hannover – das er Preußen im Vertrag von Schönbrunn zugesichert hatte – gleichzeitig Großbritannien als Verhandlungsmasse angeboten hatte, beschloss Berlin den Krieg. Im Herbst 1806 brach der Vierte Koalitionskrieg aus; die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (14.10.1806) zerschlug die preußische Armee in einem einzigen Tag.[25]
11. Weiterführende Artikel auf EPOCHE NAPOLEON
Zu den im Artikel behandelten Themen und Personen bietet EPOCHE NAPOLEON weiterführende Beiträge:
- Napoleon Bonaparte – Biographie
- Der Vierte Koalitionskrieg (1806–1807)
- Horatio Nelson – Biographie
- Michail Illarionowitsch Kutusow – Biographie
- Joachim Murat – Biographie
- Charles-Maurice de Talleyrand – Biographie
- William Pitt der Jüngere – Biographie
- Pierre de Villeneuve – Biographie
- Karl Philipp zu Schwarzenberg – Biographie
- Nicolas Soult – Biographie
- Louis-Nicolas Davout – Biographie
- Michel Ney – Biographie
- Jean Lannes – Biographie
- Jean-Baptiste Bernadotte – Biographie
12. Quellen und Literatur
Zeitgenössische Quellen und frühe Historiographie
- Moniteur universel (Paris), Oktober–Dezember 1805: offizielle Bulletins der Grande Armée.
- Alfred Kraus: 1805 – Der Feldzug von Ulm. L. W. Seidel & Sohn, Wien 1912 (OCLC 698963113).
Standardwerke
- David G. Chandler: The Campaigns of Napoleon. Scribner, New York 1966.
- Frederick C. Schneid: Napoleon’s Conquest of Europe. The War of the Third Coalition. Praeger Publishers, Westport/London 2005, ISBN 978-0-275-98096-2.
- Volker Ullrich: Napoleon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 978-3-499-50646-8.
- N. A. M. Rodger: The Command of the Ocean. A Naval History of Britain 1649–1815. Allan Lane, London 2004, ISBN 978-0-393-06050-8.
- Alexander Mikaberidze: The Napoleonic Wars. A Global History. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-995106-2.
- Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495–1806. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003.
- Philip Lintner: Im Kampf an der Seite Napoleons. Erfahrungen bayerischer Soldaten in den Napoleonischen Kriegen (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 175). München 2021, ISBN 978-3-406-10790-0.
Internetquellen (alle abgerufen 22.03.2026)
- Wikipedia (Deutsch): Dritter Koalitionskrieg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Koalitionskrieg
- Wikipedia (Deutsch): Friede von Pressburg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Friede_von_Pressburg
- Wikipedia (Deutsch): Schlacht von Trafalgar. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Trafalgar
- Wikipedia (Deutsch): Rheinbund. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbund
- Encyclopædia Britannica: Battle of Trafalgar. URL: https://www.britannica.com/event/Battle-of-Trafalgar-European-history
- napoleon-empire.org: Battle of Trafalgar. URL: https://www.napoleon-empire.org/en/battles/trafalgar.php
- Historisches Lexikon Bayerns: Ende des Alten Reiches. URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ende_des_Alten_Reiches
- Wien Geschichte Wiki: Friede von Pressburg. URL: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friede_von_Pressburg
Fußnoten
[1] David G. Chandler: The Campaigns of Napoleon. Scribner, New York 1966, S. 319–322. ↩
[2] Frederick C. Schneid: Napoleon’s Conquest of Europe. The War of the Third Coalition. Praeger Publishers, Westport 2005, S. 57. ↩
[3] Volker Ullrich: Napoleon. Rowohlt, Reinbek 2004, S. 112–115. – Wikipedia (Deutsch): Dritter Koalitionskrieg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Koalitionskrieg (abgerufen 22.03.2026). ↩
[4] Frederick C. Schneid: Napoleon’s Conquest of Europe. Praeger, Westport 2005, S. 57. ↩
[5] Chandler: Campaigns, S. 382; Schneid: Conquest, S. 83–87. ↩
[6] Chandler: Campaigns, S. 382. – Wikipedia (Deutsch): Dritter Koalitionskrieg (wie Anm. 3). ↩
[7] Schneid: Conquest, S. 94. ↩
[8] Alfred Kraus: 1805 – Der Feldzug von Ulm. L. W. Seidel, Wien 1912, S. 44–55. ↩
[9] Chandler: Campaigns, S. 389–395. – Alexander Mikaberidze: The Napoleonic Wars. A Global History. Oxford University Press 2020, S. 197. ↩
[10] N. A. M. Rodger: The Command of the Ocean. A Naval History of Britain 1649–1815. Allan Lane, London 2004, S. 528–532. ↩
[11] Wikipedia (Deutsch): Schlacht von Trafalgar. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Trafalgar (abgerufen 22.03.2026). – Encyclopædia Britannica: Battle of Trafalgar. URL: https://www.britannica.com/event/Battle-of-Trafalgar-European-history (abgerufen 22.03.2026). ↩
[12] Rodger: Command, S. 535. – Chandler: Campaigns, S. 407–409. ↩
[13] Encyclopædia Britannica: Battle of Trafalgar (wie Anm. 11). – napoleon-empire.org: Battle of Trafalgar. URL: https://www.napoleon-empire.org/en/battles/trafalgar.php (abgerufen 22.03.2026). ↩
[14] Chandler: Campaigns, S. 409–411. ↩
[15] Alfred Kraus: 1805 – Der Feldzug von Ulm. L. W. Seidel, Wien 1912, S. 178–185. ↩
[16] Chandler: Campaigns, S. 400–405. – Mikaberidze: Global History, S. 197–198. ↩
[17] Chandler: Campaigns, S. 424–444. – Mikaberidze: Global History, S. 202–208. ↩
[18] Chandler: Campaigns, S. 444–453. – Schneid: Conquest, S. 112–118. ↩
[19] Chandler: Campaigns, S. 453–464. ↩
[20] Mikaberidze: Global History, S. 208–210. – Schneid: Conquest, S. 118–122. ↩
[21] Wikipedia (Deutsch): Friede von Pressburg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Friede_von_Pressburg (abgerufen 22.03.2026). – Wien Geschichte Wiki: Friede von Pressburg. URL: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friede_von_Pressburg (abgerufen 22.03.2026). ↩
[22] Schneid: Conquest, S. 120–124. – Ullrich: Napoleon, S. 129. ↩
[23] Wikipedia (Deutsch): Rheinbund. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbund (abgerufen 22.03.2026). ↩
[24] Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495–1806. WBG, Darmstadt 2003, S. 160. – Historisches Lexikon Bayerns: Ende des Alten Reiches. URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ende_des_Alten_Reiches (abgerufen 22.03.2026). ↩
[25] Wikipedia (Deutsch): Vierter Koalitionskrieg. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Koalitionskrieg (abgerufen 22.03.2026). ↩