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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Der Vierte Koalitionskrieg 1806/07

Kapitel 12: Die Preußischen Reformen – Wiedergeburt aus der Asche

Die Preußischen Reformen: Wiedergeburt aus der Asche

So traumatisch der Tilsiter Friede war – er wurde zur Geburtsstunde eines neuen Preußens. Die katastrophale Niederlage zwang zu grundlegenden Veränderungen, die ohne das Desaster von 1806/07 nie möglich gewesen wären. König Friedrich Wilhelm III. erkannte: Der Staat musste an geistigen Kräften ersetzen, was er an physischen verloren hatte. Seine Minister Karl Freiherr vom und zum Stein und Karl August von Hardenberg leiteten eine »Revolution von oben« ein.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen

Das Oktoberedikt von 1807 hob die Leibeigenschaft auf und befreite die Bauern von der Scholle. Hinzu kamen die rechtliche Gleichstellung der Bürger, die Städtereform mit Selbstverwaltung durch gewählte Vertreter, die Einführung der Gewerbefreiheit und die rechtliche Gleichstellung der Juden (1812).

Bildungsreformen

Wilhelm von Humboldt erneuerte das Bildungswesen im Sinne des Humanismus, setzte die allgemeine Schulpflicht durch und gründete 1810 die Berliner Universität als Bildungseinrichtung neuen Typus – die spätere Humboldt-Universität.

Heeresreformen

Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau und Hermann von Boyen schufen auf der Basis des Krümpersystems eine neue Volksarmee auf der Grundlage allgemeiner Wehrpflicht. Preußen unterlief dabei geschickt die Tilsiter Rüstungsbeschränkungen: Es standen stets nur 42.000 Mann unter Waffen, der einzelne Soldat diente jedoch nur kurzfristig, so dass bis 1813 insgesamt über 150.000 Soldaten ausgebildet wurden. Diese Reformen schufen die Grundlage für die erfolgreiche Erhebung Preußens in den Befreiungskriegen ab 1813.

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