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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Der Vierte Koalitionskrieg 1806/07

Kapitel 11: Der Friede von Tilsit – Ein Diktatfrieden und seine Folgen

Die Verhandlungen auf der Memel

Die Friedensverhandlungen fanden an einem symbolisch aufgeladenen Ort statt: auf zwei im Fluss Memel verankerten Pontonbooten, auf der Grenze zwischen den französischen und russischen Einflussgebieten. Am 25. Juni begannen in Tilsit die Friedensverhandlungen zwischen Napoleon und Zar Alexander I. – während König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am Ufer zurückbleiben musste.

Das franko-russische Abkommen vom 07.07.1807 war ein Abkommen unter Gleichen, eine Teilung Europas in zwei Einflusssphären. Der französisch-preußische Friedensvertrag vom 09.07.1807 hingegen hatte den Charakter eines Diktatfriedens. Lediglich das Eingreifen des Zaren verhinderte die von Napoleon angestrebte endgültige Liquidation Preußens.

Bedingungen des Friedens

Der Gebietsbestand Preußens und die Zahl seiner Untertanen wurden um mehr als die Hälfte reduziert: von vormals rund 323.408 km² Fläche auf nur noch 158.867 km², in dem nach Friedensschluss nur noch rund 4,5 Mio. Einwohner – von zuvor 9,75 Mio. – lebten. Im Einzelnen musste Preußen hinnehmen:

  • Westelbische Gebiete: Alle Ländereien westlich der Elbe wurden dem neu geschaffenen Königreich Westphalen einverleibt, das Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte regieren sollte.
  • Herzogtum Warschau: Aus den in den polnischen Teilungen erworbenen Gebieten entstand das Herzogtum Warschau unter dem König von Sachsen in Personalunion.
  • Danzig: Wurde zur Freien Stadt erklärt.
  • Cottbus: Fiel an Sachsen.
  • Heeresreduzierung: Das Heer wurde von vormals 200.000 auf 42.000 Mann reduziert.
  • Kriegskontribution: Preußen musste eine Kontribution von 120 Millionen Franc leisten (über 32 Millionen Preußische Reichstaler).
  • Besatzung und Kontinentalsperre: Preußen musste der Kontinentalsperre beitreten; die wichtigsten Festungen erhielten französische Garnisonen.

Berühmt ist das Treffen der Königin Luise mit Napoleon am 06.07.1807 in Tilsit, bei dem sie persönlich um Milderung der Friedensbedingungen für Preußen bat – vergeblich. Napoleon zollte der Königin persönlichen Respekt, gewährte aber keine Konzessionen.

Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Bevölkerung waren verherrend: Der Landmann war ruiniert; in Ostpreußen war die Pferdezucht auf den zwölften Teil ihres Bestandes gesunken. Überall Verarmung der einst Wohlhabenden, Brotlosigkeit des Mittelstandes, grenzenlose Not der kleinen Leute.

Lesen Sie auch:

Das politische Glaubensbekenntnis der Königin Luise – ihr vermeintlicher Brief an den Vater der nach dem Tilsiter Frieden im Jahre 1808 verfasst worden sei.