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EPOCHE NAPOLEON

von der Bastille bis Waterloo 1815

Der Vierte Koalitionskrieg 1806/07

Kapitel 3: Preußens Weg in den Krieg – politische Lage und innere Zerrissenheit

Preußens Weg in den Krieg

Die preußische Politik am Vorabend des Krieges war von tiefer Gespaltenheit geprägt. Am Berliner Hof standen sich eine Friedens- und eine Kriegspartei unversöhnlich gegenüber. Die Friedenspartei um den Staatsminister Graf von Haugwitz propagierte die Fortsetzung der Neutralitätspolitik; die Kriegspartei, zu der bedeutende Militärs wie Prinz Louis Ferdinand (1772–1806), die Brüder des Königs sowie zunehmend auch die Königin Luise gehörten, drängte zum Handeln.

König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) stand unter enormem Druck. Am 02.09.1806 erhielt der König eine Denkschrift, die seine bisherige Politik kritisierte und auf Krieg drängte. Unter den Unterzeichnern befanden sich Prinz Louis Ferdinand, die Brüder des Königs Heinrich und Wilhelm sowie der Prinz von Oranien. Sie warfen dem König vor, das Heilige Römische Reich im Stich gelassen und seine politische Glaubwürdigkeit verspielt zu haben.

Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810) spielte in diesem Ringen eine symbolträchtige Rolle. Napoleon nannte sie seinen »schönsten Feind« und machte sie für den Kriegsbeginn mitverantwortlich – ein polemisches Urteil, das die tatsächlichen Kräfteverhältnisse verzerrt. Den Feinden Napoleons erschien Luise als »Jeanne d’Arc«, ihr allein wurden Mut und Widerstandskraft zugeschrieben.

Am 09.08.1806 befahl Friedrich Wilhelm III. schließlich die Mobilmachung. Am 27.09. folgte ein formelles Ultimatum: Napoléon solle bis zum 08.10.1806 mit dem Rückzug seiner Truppen hinter den Rhein beginnen. Napoleon reagierte mit einem aggressiven Brief, in dem er dem König von jedem Waffengang abriet und ihm seine militärische Niederlage ankündigte. Am 09.10.1806, einen Tag nach Ablauf des Ultimatums, erklärte er Preußen den Krieg.

Die Struktur des preußischen Staates und seine Reformbedürftigkeit

Was das Königreich Preußen in diesem Augenblick in den Krieg führte, war ein Staat, der seit dem Tod Friedrichs des Großen (1786) zunehmend erstarrt war. Das Heer, das im Oktober 1806 in den Krieg zog, orientierte sich an den Taktiken und Strukturen der friderizianischen Zeit. Reformen, die Scharnhorst und andere schon vor dem Krieg angemahnt hatten, waren nicht durchgeführt worden. Einer der schärfsten strukturellen Mängel war das Kommandoproblem: Der Oberbefehl lag beim Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, der König selbst begab sich zur Armee, was zu Unstimmigkeiten über die Befehlsgewalt führte.