Der Vierte Koalitionskrieg 1806/07
Kapitel 5: Der Feldzug in Thüringen – Schleiz, Saalfeld und die Doppelschlacht
Der Feldzug in Thüringen
Napoleon reagierte auf das preußische Ultimatum mit großer Entschlossenheit. Seine Truppen marschierten aus Würzburg rasch nach Thüringen, um der Vereinigung der preußischen Kräfte zuvorzukommen. Die preußische Strategie sah vor, dass die Armee unter Fürst Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen (1746–1818) und die Hauptarmee unter dem Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (1735–1806) sich in Thüringen vereinigen sollten.
09.10.1806 – Gefecht bei Schleiz
Das erste ernsthaftere Aufeinandertreffen. Das Korps des Marschalls Bernadotte vertrieb preußische Truppen aus Schleiz.
10.10.1806 – Gefecht bei Saalfeld
Das Korps des Marschalls Lannes besiegte eine preußische Abteilung unter Prinz Louis Ferdinand, der dabei den Tod fand. Damit war auch die Vereinigung der preußischen Truppen gescheitert. Der Tod des populären und energischen Prinzen war für die Kriegspartei ein schwerer Schlag.
14.10.1806 – Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt
An diesem Tag fanden 25 Kilometer voneinander entfernt zwei separate Schlachten statt, deren Ausgang Preußen vernichtete. Bei Jena schlug Napoleon selbst mit der zahlenmäßig überlegenen Hauptarmee das preußisch-sächsische Korps unter Fürst Hohenlohe. Rund 53.000 Preußen standen an die 95.900 französischen Soldaten gegenüber. Die Franzosen hatten in der Nacht erfolgreich Artillerie über den Steiger auf den Landgrafenberg geschafft – zur vollständigen Überraschung der Preußen.
Bei Auerstedt traf Marschall Louis-Nicolas Davout (1770–1823) mit seinem nur 27.000 Mann starken III. Korps auf die zahlenmäßig fast doppelt so große preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig. In einem der bemerkenswertesten Gefechte der napoleonischen Ära schlug Davout – trotz seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit – die Preußen. Der Herzog von Braunschweig wurde tödlich verwundet.
Insgesamt wurden ca. 10.000 preußische und sächsische Soldaten getötet oder verwundet und weitere 10.000 gefangen genommen. Die Franzosen hingegen hatten nur etwa 7.500 Tote oder Verwundete zu verzeichnen.
Die kulturhistorische Bedeutung des Tages ist kaum zu überschätzen: Am 11.10.1806, drei Tage vor der Schlacht, gab der Jenaer Professor Hegel noch rasch das endlich fertige Manuskript seiner Phänomenologie des Geistes auf die Post an seinen Verleger. Am Abend der Schlacht wurde Goethe in seinem Haus in Weimar von plündernden französischen Soldaten bedroht und durch das beherzte Eingreifen seiner Lebensgefährtin Christiane Vulpius gerettet.
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